Menschen, Wälder und Leonardo DiCaprio

Foto: Shadia Fayne Wood

Die Umweltpolitik des Jahres 2014.

2014 war ein turbulentes Jahr. Von Überschwemmungen überall auf der Welt, einer verheerenden Schlammlawine in Afghanistan, über den Taifun „Hagupit“ auf den Philippinen, der viele Menschen in den Tod riss, bis hin zu Dürren und einer extremen Kältewelle in den USA. Außerdem war 2014 das heißeste Jahr seit Anfang der Aufzeichnungen vor ungefähr 150 Jahren. Dies maß die Weltorganisation für Meteorologie an den durchschnittlichen Landes- und Meeresoberflächentemperaturen. Ein schockierendes Ergebnis.

Der Zwischenstaatliche Ausschuss über Klimaveränderung (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC), der von der Weltorganisation für Meteorologie und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen gegründet wurde, brachte im November einen bedeutenden Bericht heraus. Wenn CO2-Emissionen nicht in nächster Zukunft gestoppt werden, würden „schwerwiegende, umfassende und unwiderrufliche Auswirkungen“ auf das Klima und die Menschen zukommen. Schon jetzt seien vermehrte Dürren und extreme Wetterbedingungen die Norm, die sich nach dem IPCC-Bericht zukünftig noch verschlimmern würden.

2014 gründete das Kampagnen-Netzwerk Avaaz eine Bewegung, die sich „Peoples Climate March“ nennt. Ihr schlossen sich viele Umweltorganisationen an und gemeinsam planten sie einen Aktionstag, an dem die Bevölkerung ein Zeichen gegen den Klimawandel setzen sollte. Die Demonstration fand am 21. September statt. In über 2000 Städten auf der ganzen Welt fanden sich mehr als 675 000 Menschen auf den Straßen zusammen und protestierten gegen fossile Brennstoffe und für 100% erneuerbare Energien. Die größte Demonstration fand in New York statt, an der neben ungefähr 300 000 Demonstranten auch die Schauspieler Leonardo DiCaprio und Mark Ruffalo teilnahmen.

Die Demonstration fand einen Tag vor dem New York Klimagipfel der Vereinten Nationen statt, bei dem sich Vertreter von 120 Nationen trafen, um über ihre Pläne zur Eindämmung des Klimawandels zu verhandeln. Ziel ist es, im Dezember 2015 in Paris ein neues Klimaabkommen zu verabschieden. Leonardo DiCaprio, der UN-Botschafter des Friedens ist, hielt eine bewegende Ansprache. Er appellierte an die Politiker, sich von fossiler Energie abzuwenden; dass die Lösung der Krise keine politische Frage sei, sondern eine moralische Verpflichtung.

Ausreichende Ergebnisse brachte der Gipfel nicht. Bis 2030 soll der Verlust der Wälder gestoppt werden. Dieses Vorhaben haben Länder, Umweltorganisationen, aber auch Unternehmen wie Nestle unterschrieben. Des Weiteren versprachen mehrere Nationen, darunter Deutschland und Frankreich, Geldsummen an den Green Climate Fund zu zahlen, die an Entwicklungsländer und deren Kampf gegen den Klimawandel gehen sollen. Außerdem gab es die ersten Zusagen, zum Beispiel von Chile, CO²-Emissionen zu reduzieren.

Nach dem Treffen in New York kam es zu einem unerwarteten Ereignis. Die USA und China, die zwei größten Umweltverschmutzer, verabschiedeten ein signifikantes Abkommen. In diesem wurde beschlossen, dass CO²-Emissionen erheblich verringert werden sollen – bis zu 26-28% bis 2025 in den USA. China möchte bis 2030 20% seiner Energie komplett von erneuerbaren Energien beziehen. Ein „milestone“ für den Klimawandel, wie Obama das Abkommen nennt, aber nicht genug, um diesen zu stoppen.

Es kam zu weiteren Erfolgen: Erdgasförderung wurde im Staat New York verboten, Shell versprach einer nigerianischen Fischergemeinde 53 Millionen US-Dollar für eine verheerenden Ölkatastrophe im Jahre 2008 zu zahlen, Obama will auf die Keystone XL Pipeline ein Veto legen und immer mehr Unternehmen und Institutionen ziehen ab von fossilen Energien.

Im Dezember 2014 trafen sich die UN-Staaten erneut, diesmal in Lima, Peru. Weitere Nationen versprachen Zusagen zum Green Climate Fund, sodass das gesetzte Ziel von 10 Milliarden US-Dollar überschritten wurde. Der Gipfel erstellte ein 37-Seiten Dokument, welches die Basis für die Verhandlungen in Paris in diesem Jahr darstellen wird. In diesem gibt es verschiedene Optionen, wie der Klimawandel bekämpft werden soll. Zum Beispiel – und das wäre die beste Lösung für das Klima – bis 2050 frei von fossilen Brennstoffen zu sein. Ein anderes Ziel wären „low-emission development strategies“, welches Ländern weiterhin erlauben würde fossile Energien zu gewinnen.

2014 war ein erfolgreiches Jahr für die Klimaverhandlungen. Nationen verabschiedeten Abkommen und versprachen Gelder für Entwicklungsländer. Mehr und mehr Unternehmen verabschieden sich von Kohle, Gas und Öl und wenden sich einer Zukunft von erneuerbaren Energien zu. Andererseits gibt es immer wieder auch schlechte Nachrichten, wie zum Beispiel, dass Länder wie die USA, Großbritannien und Australien weiterhin neue Reserven von fossilen Brennstoffen für sich nutzen wollen. Oder dass der 80-jährige amerikanische Klimawandel-Verleumdner James Inhofe höchstwahrscheinlich der Vorsitzende im Senat des Komitees für Umwelt werden soll.

Es bleibt abzuwarten, wie erfolgreich das Abkommen in Paris ausfallen wird. Am 7. März 2015 findet der nächste Aktionstag statt, der „Time to Act Climate March“, wenn es im Namen der Weltbevölkerung erneut gilt, eine Zukunft von erneuerbaren Energien zu fordern.

Von Vera Kleinken