Black lives matter?

Auf der ganzen Welt protestieren Menschen gegen Rassismus © Beverly Yuen Thompson

In den USA bleibt Rassismus häufig unbestraft.

Über 50 Jahre nach Martin Luther Kings March on Washington sollte Rassismus in den USA mittlerweile ein Thema sein, das neben alten Schwarz-Weiß-Bildern von „Whites Only“-Toiletten  nur noch in Geschichtsbüchern zu finden ist. Die Ereignisse der letzten Jahre vermitteln vielen Afro-Amerikanern jedoch immer noch das Gefühl, Menschen zweiter Klasse zu sein. Das liegt wahrscheinlich daran, dass allein im letzten Jahr zwölf Schwarze von Polizisten ermordet wurden und es nur in wenigen Fällen zu einer Anklage kam.

Am meisten Aufmerksamkeit erregten die Morde an Eric Garner, Michael Brown und Tamir Rice.

Am 9. August drückte der Polizist Darren Wilson zwölf Mal ab, als er den 18-jährigen Michael Brown  in Ferguson, Missouri, erschoss, obwohl dieser unbewaffnet war und zu fliehen versuchte.

Ebenfalls schockierend war der Tod des erst zwölf-jährigen Tamir Rice. Ihn tötete im November 2014 ein Polizist, weil er die Spielzeugpistole des Kindes für echt hielt.

„I can’t breathe“

Bereits im Juli 2014 starb Eric Garner (44) in einem Krankenhaus in Staten Island, New York, nachdem mehrere Polizisten ihn zuvor zu Boden gedrückt hatten. Seine letzten Worte „I can’t breathe“ wurden zum Slogan der Proteste, die daraufhin im ganzen Land ausbrachen.

Michael Browns Tod zog ebenfalls eine Protestwelle nach sich. Bei den Aufständen in Ferguson  zerstörten Demonstranten einige Gebäude. Die Polizei ging mit Tränengas und Gummigeschossen gegen sie und die anwesenden Journalisten vor, was die Unruhen noch verstärkte.

Die Proteste fordern mit dem Slogan #BlackLivesMatter das Ende der Polizeigewalt und Diskriminierung gegen Afroamerikaner.

Generalverdacht gegen Schwarze?

All diese Fälle wären vielleicht weniger schwerwiegend, wenn es glaubhaft wäre, dass die Polizisten aus Notwehr gehandelt hätten. Doch das scheint nicht der Fall zu sein. Schließlich ist es fraglich, ob zwölf Schüsse nötig gewesen wären, um sich vor einem fliehenden Jugendlichen zu verteidigen.

Auch Akai Gurleys Tod im November 2014 erweckt den Eindruck, dass Schwarze in den USA grundsätzlich als potenzielle Gefahr gelten. Wie sonst ist es zu erklären, dass sie häufiger auf Drogen kontrolliert werden als Weiße oder dass Polizisten mit gezogener Waffe durch Nachbarschaften in New York patrouillieren, in denen hauptsächlich Afro-Amerikaner wohnen? Ein Polizist hatte versehentlich den Abzug gedrückt, als er in einem dunklen Treppenhaus in East New York die Schritte des 28-Jährigen und seiner dort lebenden Freundin hörte.

Wenn Mörder von Afro-Amerikanern in einem so einflussreichen Land wie den USA ungestraft davonkommen können, sendet das nicht nur dessen Bürgern, sondern auch dem Rest der Welt die Botschaft, es wäre in Ordnung, einem Schwarzen das Leben zu nehmen. Die Tatsache, dass es im März dieses Jahres bereits drei weitere Morde von Polizisten an Afro-Amerikaner gegeben hat, zeigt dies erneut.

Black lives matter. Es ist schwer zu glauben, dass auch heute noch eine Erinnerung daran notwendig ist.

Von Fatima Grieser