„Ohne Schlaf kann der Mensch nicht funktionieren“

Markus Kamps ist Schlafcoach und geprüfter Präventologe.

Schlafcoach Markus Kamps. Foto: djd/Infrasonics
Schlafcoach Markus Kamps. Foto: djd/Infrasonics

Philtrat: Was ist Powernapping?

Kamps: Kunstschlaf ist ein Erholungs- und Regenerationsmechanismus, der gerade bei einem Leistungstief gut angewendet werden kann. Bei den meisten liegt dieses zwischen 13 und 14 Uhr, abhängig vom Schlaftyp. Das wichtigste beim Powernapping sind die mentale Frische und das Abschalten. Mittags hilft das Nickerchen, die Leistungsreserven zu aktivieren: Die Leistungssteigerung ist spürbar, eine Verbesserung der Merkfähigkeit nachgewiesen, die Unfallhäufigkeit geht zurück und die Reaktionsfähigkeit nimmt um ganze 18 % zu.

 

P.: Wie macht man Powernapping?

K.: In ein gutes Powernapping investiert man 20 Minuten, anfangs 20 bis 30, in Japan sogar nur 10 bis 15 Minuten, in denen die Leute kurz schlafen und runterfahren. Das führt zu einer drei- bis vierfachen Leistungssteigerung. Deswegen ist es in China und Japan so, dass der Mittagsschlaf bezahlt wird. In Deutschland wird er in vielen Unternehmen eher von der Pausenzeit abgezogen.

 

P.: Was ist besser, Liegen oder Sitzen?

K.: Liegen ist insgesamt immer besser und entspannender. Einfach aufgrund der Tatsache, dass man sich dann nichts verdrehen kann.  Wenn ich Powernapping im Sitzen machen muss, weil ich keine andere Möglichkeit sehe, dann hat sich bewährt, die Beine unten leicht zu verschränken, die Hände übereinander und die Stirn auf die Unterarme zulegen. Wichtig ist eine entspannte Kopfposition, eine, bei der der Kopf nicht gehalten werden muss. Sonst hatte ich zwar nachher einen tollen Energieschlaf, aber habe starke Nackenschmerzen, weil sich der Kopf verbogen hat. Dadurch hätte ich nicht viel gewonnen. Im Liegen wird ein höherer Entspannungseffekt erziehlt.

 

P.: Wenn Powernapping so leistungssteigernd ist, wieso ist es dann so verpönt in der Gesellschaft?

K.: Wir werden heutzutage an unserer Leistung gemessen und nicht an dem Verständnis für unseren Körper. Das gilt für verschiedene Gesundheitsthemen und für das Schlafen ganz besonders. Immer öfter wird durch die Medien vermittelt, dass Schlaf nicht so wichtig sei. Totaler Quatsch – ohne Schlaf kann der Mensch nicht funktionieren. Ich habe mir zur Aufgabe gemacht, die Menschen darüber aufzuklären. Ich kann auch nicht verstehen, wieso viele Menschen, wenn sie jemanden an ungewöhnlichen Orten schlafen sehen, an „Obdachloser“, „Leistungsverweigerer“ oder „Schlafmütze“ denken. Eigentlich müsste es heißen: „Mensch, du bist ja super, du kannst ja danach viel mehr leisten, du bist ein Genussschläfer. Du sinkst unseren Krankenstand, du hast eine schnellere Reaktionsfähigkeit, du kannst besser arbeiten.“

Auch im Arbeitsleben gibt es einen Mobbingeffekt, allein dadurch, dass die Menschen die Leistungskurven des anderen gar nicht kennen. Und wenn ich mich dann in meinem Leistungstief nicht erholen kann, dann bewege ich mich auch weiterhin auf einem gleichbleibend schlechten Niveau.

 

P.: Welchen Rat haben Sie für Studierende?

K.: Ich kann nur jedem dazu raten, Powernapping in seine Alltagsstruktur zu integrieren. Schlaf ist natürlicher als jeder Kaffee und die Leistungssteigerung ist, unter anderen durch die Harvard Universität nachgewiesen.

Infokasten powernapping 2

Von Anna Polovets

 

Hier gehts zu unserem Artikel über Powernapping „Schlafen für mehr Leistungsfähigkeit“.

 

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