Zwischen Hoffnung, Wut und Verzweiflung

Suffragette
Foto: Concorde Classics

Der Kinofilm Suffragette – Taten statt Worte erzählt die Geschichte der tapferen Frauen des 20. Jahrhunderts, die um das Frauenwahlrecht in Großbritannien kämpften.

Die junge Mutter und Ehefrau Maud Watts (Carey Mulligan), die seitdem sie sieben Jahre alt ist in einer Wäscherei arbeitet, wird in die Gruppe der Suffragetten hineingezogen. Inspiriert von den starken Frauen der Bewegung, die für das Frauenwahlrecht kämpfen, verbringt sie nach anfänglichem Zögern immer mehr Zeit mit ihnen. Nach einer Demonstration vor dem Parlamentsgebäude kommt es zu brutalen Ausschreitungen der Polizei gegenüber den protestierenden Frauen und Maud wird für mehrere Tage inhaftiert. Wütend beteiligt sie sich fortan auch an kriminellen Aktionen und setzt dabei ihr Familienleben und ihre Arbeit aufs Spiel. Obwohl sie weiß, dass das gefährliche Leben der Suffragetten und das friedliche Leben in ihrer Familie nicht mehr gleichzeitig Bestand haben können, kann sie es nicht mit sich vereinbaren, ihre Beteiligung an der Frauenbewegung zu beenden.

Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sich die Frauenbewegung in Großbritannien radikalisiert. Nachdem friedliche Proteste und Demonstrationen über ein halbes Jahrhundert erfolglos geblieben waren, gründete Emmeline Pankhurst die Gewerkschaft „Women’s Social and Political Union“. Eine Handvoll Frauen griff fortan zu rabiaten Mitteln. Ihr Ziel war die Durchsetzung des Frauenwahlrechts in einer Gesellschaft, die von Männern dominiert wurde. Die Aufgaben von Frauen waren auf das Heim beschränkt und meist arbeiteten sie in unmenschlichen Verhältnissen, oft in Wäschereien und Fabriken. Die britische Presse betitelte die Aktivistinnen als Suffragetten, vom englischen Wort suffrage für Stimmrecht, als erniedrigender Ausdruck. Durch das Wahlrecht erhofften sie sich Selbstbestimmung und Mündigkeit innerhalb der Gesellschaft.

Suffragette spiegelt das Gefühlschaos der ProtagonistInnen auf faszinierende Weise wider: Die einen stehen voll und ganz hinter ihren Aktionen, die anderen sind zwischen den zwei kollidierenden Welten hin- und hergerissen. Auch die Männer haben mit den Veränderungen der Frauen zu kämpfen: Der Großteil möchte die Unabhängigkeitswünsche – oftmals auch gewalttätig – unterdrücken. Gleichzeitig thematisiert der Film die schwierigen Lebensverhältnisse des 20. Jahrhunderts, die von Armut, unterbezahlter Arbeit, Hygienemängel und strikten Gesellschaftsregeln geprägt waren.

Der Film basiert auf wahren Begebenheiten, wobei die Protagonistin Maud Watts fiktiv ist und sich aus verschiedenen Personen und Lebensläufen aus der Zeit zusammensetzt. Die Figuren der Emmeline Pankhurst (Meryl Streep) und Emily Wilding Davison (Natalie Press) beruhen auf realen, gleichnamigen Personen der Suffragette-Bewegung. Pankhurst war eine Ikone und die Anführerin der Suffragetten. Davison war eine sich zunehmend radikalisierende Frau, die letztendlich zur Märtyrerin wurde und der Bewegung somit zu der angemessenen medialen Aufmerksamkeit verhalf, die 1928 endlich zum Wahlrecht für alle Frauen in Großbritannien führte.

Außergewöhnlich ist bei diesem Film außerdem, dass nur Frauen an seinem Entstehen beteiligt waren. Regie führte Sarah Gavron, die sich mit den Produzentinnen Alison Owen und Faye Ward sowie der Drehbuchautorin Abi Morgan zusammentat. Sie ließen einen inspirierenden Film entstehen, der die Frauen der Suffragette-Bewegung gebührend ehrt. Suffragette zeigt die tiefe Bedeutung der Ereignisse für die damalige aber auch heutige Zeit auf, in der eine völlige Gleichberechtigung von Frauen und Männern immer noch nicht erreicht ist.

Kinostart: 4. Februar 2016

Regie: Sarah Gavron

Darsteller: Carey Mulligan, Helena Bonham Carter, Brendan Gleeson, Anne-Marie Duff, Meryl Streep, Ben Whishaw, Romola Garai

Länge: 106 Minute

Großbritannien, 2015

Von Vera Kleinken

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