So anders, so gut

Die Jungs von The Cat Empire erfrischen mit unkonventionellen Klängen und zünden auch auf ihrem neuesten Album wieder ein rhythmisches Feuerwerk.

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, und doch gibt es Bands wie das sechsköpfige Ensemble von The Cat Empire, die – so scheint es – fast ausschließlich Sympathisanten haben. So sind die Mannen aus Melbourne für viele schon nach dem ersten Ohrenkontakt kaum mehr aus den eigenen Playlists wegzudenken. Mit Rising With The Sun hat die Band, die sich in ihren Songs einer wilden Mischung aus Jazz-, Ska-, Reggae-, Latin-, Funk- und Hip-Hop-Elementen bedient, nun ihr bereits siebtes Studioalbum vorgelegt. Und das schrillbunte Cover der neuen Platte deutet geradezu an, dass sich auch dieses Album wieder erfolgreich dagegen wehrt, musikalisch in eine bestimmte Schublade zu passen. Das Sextett, das sich selbst als „difficult to describe and impossible to categorise“ beschreibt, setzt auch über 15 Jahre nach seiner Gründung noch auf den bewährten Mix der Genres. Und das mit Erfolg: Schon eine Woche nach dem offiziellen Release am 4. März kletterte Rising With The Sun an die Spitze der heimischen Album-Charts.

Und obwohl die Australier in den hiesigen Hitlisten nicht annähernd solche Erfolge feiern (und mit ihrem aktuellen Album bislang gar nicht auftauchen), lohnt es sich für Freunde des Unkonventionellen auch diesmal wieder, ganz genau hinzuhören. Schon der erste Song der neuen Platte, Wolves, strotzt durch den Einsatz von Trommeln, Trompeten und Synthesizer nur so vor Energie und Kreativität. Die Band selbst verortet den Klang irgendwo zwischen „Caribbean disco“ und „African sound“, aber wen interessiert das schon so genau, denn wichtig ist nur, dass schon der Auftakt große Lust auf mehr macht. Während beim darauffolgenden Bulls vor allem die für die Band so typischen Bläser im Vordergrund stehen, nimmt Midnight abrupt das Tempo raus und erinnert mit seinem tiefenentspannten, fast schwerelosen Reggae-Vibe ein wenig an den guten alten Bob Marley. So hat letztlich jedes der insgesamt elf Lieder seinen ganz eigenen Charakter, und trotzdem gelingt der Gruppe dabei immer das Kunststück, ihren hohen Wiedererkennungswert zu bewahren. Neben den rhythmischen Highlights und Ohrwürmern You Are My Song und Qué Será Ahora gilt es insbesondere Bataclan hervorzuheben – ein Song, in dem die Musiker auf emotionale Weise der Pariser Anschlagsopfer gedenken und dabei nicht müde werden zu betonen, dass die Gesellschaft sich vom Terrorismus niemals einschüchtern lassen dürfe.

Alles in allem präsentiert sich also auch das siebte Studioalbum des Ensembles auf höchstem Cat Empire-Niveau. Dank der gewohnt exotischen Melange aus verschiedensten Instrumenten und stilistischen Einflüssen sowie einer stimmigen Gesamtkomposition wird die Scheibe zu keinem Zeitpunkt langweilig. Im Gegenteil: Die Band versteht es auch diesmal wieder, die Spannung bis zum Ende aufrecht zu erhalten. Für Neuentdecker ist Rising With The Sun vielleicht sogar das ideale Album zum Einstieg. Denn trotz ihres Facettenreichtums kommen die Songs insgesamt weniger verspielt, dafür aber etwas geradliniger und pointierter daher als noch auf den ersten, teilweise recht experimentellen Alben. Und wer nach dem Hören der neuen Platte große Lust verspürt, sich einmal von den herausragenden Live-Qualitäten der Australier zu überzeugen, dem sei der 1. November ans Herz gelegt: Dann kommen The Cat Empire im Rahmen ihrer Rising With The Sun Tour nach Köln.

Von Philipp Nesbach

Erscheinungsdatum: 04.03.2016

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