Notschlafstelle – Übergangslösung mit Charme

Auch wenn der Raum nicht sonderlich gemütlich wirkt, ist hier Platz für Austausch und die weitere Wohnungssuche. Foto: Alexandra Vavelidou

Vom 5. bis zum 25. Oktober hat der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni Köln eine kostenlose Notschlafstelle für Studierende eingerichtet.

Eine Notschlafstelle erinnert momentan wohl die meisten sofort an die Unterbringung von Flüchtlingen. Doch pünktlich zum Semesterstart sind auch einige Studierende in Köln darauf angewiesen. Für alle, die bis zuletzt kein bezahlbares Zimmer gefunden haben, ist die Notschlafstelle eine willkommene Übergangslösung. Zum vierten Mal konnte der AStA das wichtige Projekt umsetzen.

Köln – Deutschlands teuerste Stadt für Studierende

Der Traum von der ersten eigenen Wohnung oder einem Zimmer in einer waschechten Studenten-WG verwandelt sich für viele Wohnungssuchende in Köln zu einem Alptraum aus überteuerten Mieten, verkorksten Vermietern und aussichtslosen WG-Castings. Was den Mietpreis angeht, ist Köln nach einer Studie des Deutschen Studentenwerks die teuerste Stadt Deutschlands für Studierende – der durchschnittliche Mietpreis von 355 Euro im Monat wird von keiner anderen Stadt in Deutschland überboten. Kein Wunder also, dass sich einige zum Semesterbeginn noch kein Dach über dem Kopf organisieren konnten. Umso schöner ist es, nicht in einem Hostel schlafen zu müssen, sondern den Abend mit anderen Studierenden zu verbringen, die die schwierige Situation teilen.

Unkompliziert und immer erreichbar

Die HelferInnen der Notschlafstelle sind nahezu rund um die Uhr erreichbar – ein kurzfristiger Anruf genügt, um die Adresse mitgeteilt zu bekommen. Aufwendige Anmeldungen oder andere Formalitäten sind nicht nötig. Mit einem Fünfsternehotel ist die Unterkunft nicht zu vergleichen, doch bietet sie überraschend viel Komfort: Der große, warme Schlafraum ist mit aufblasbaren Matratzen bestückt und bietet Platz für bis zu 30 Studierende. Daneben gibt es einen Aufenthaltsraum mit Brettspielen und (hallelujah) WLAN.

Wer nutzt das Angebot?

Im Schnitt verbringen fünf Studierende die Nacht in der Notunterkunft. Das sind im Vergleich drei mehr als im letzten Jahr. Einige bleiben nur für eine Nacht und andere die gesamten drei Wochen, die die Unterkunft zur Verfügung steht. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Orten, aber eins haben sie gemeinsam: ihre Anreise nach Köln ist weit. Etwa 40 Prozent sind Erasmus-Studierende und haben es durch die Entfernung und Sprachbarriere besonders schwer mit der Wohnungssuche. Aber auch aus weiter entfernten Städten in Deutschland wie Stuttgart oder Berlin ist ein vorübergehendes Pendeln unmöglich.

Gemeinsame Wohnungssuche

Wer jedoch glaubt, am Abend würde hier Trübsal geblasen, liegt weit daneben. Die Projektleiterin Pauline Godensen spricht von einer lockeren und lustigen Stimmung, die nicht von der Sorge um die Wohnungssuche überlagert wird. Oft wird die ganze Nacht zusammen Tabu gespielt. Besonders die Erasmus-Studierenden nutzen das WLAN, um mit ihren Familien kommunizieren zu können. Aber das eigentliche Ziel wird an den Abenden nicht aus den Augen verloren: Pauline und ihre Kollegen vom AStA helfen bei der Wohnungssuche mit dem Ziel, dass auch nach dem 25. Oktober niemand auf der Straße steht. Gemeinsam werden Angebote herausgesucht und Anfragen an die Vermieter formuliert.

Der AStA leistet mit dem Projekt eine unersetzliche Anlaufstelle für alle, die in Köln neu und völlig auf sich allein gestellt sind. Dass die Nachfrage in diesem Jahr höher ist, spiegelt die kritische Wohnsituation in Köln wieder. Die Projektleiterin freut besonders, dass die Umsetzung der Notschlafstelle an einer so großen Hochschule wie der Universität zu Köln möglich wurde. Etwas Vergleichbares gibt es an keiner weiteren Hochschule in Köln und Umgebung.

Von Alexandra Vavelidou