Eine Welt ohne Geld – zumindest für ein paar Tage

Foto: living utopia

Ein Wochenende, 130 Teilnehmer, Workshops, und das alles ohne Geld. Wie das beim utopival funktioniert, erklärt Tobias Rosswog.

Philtrat: Was genau ist das utopival?

Das utopival ist ein Mitmachkongress für 130 Menschen, die sich fünf Tage lang über ihre Vorstellungen einer zukunftsfähigen Gesellschaft austauschen. Gemeinsam wird ein Raum geschaffen, um utopietaugliche Alternativen zu diskutieren und zu leben.

Welche Leitgedanken stehen hinter dem utopival?

Wie alle unsere Projekte vom Aktionsnetzwerk living utopia wurde der Mitmachkongress utopival 2015 nach den Motiven geldfrei, vegan, ökologisch und solidarisch organisiert und verwirklicht. Das utopival lädt zum Perspektivwechsel ein und möchte dazu anregen, einmal außerhalb der gewohnten Konventionen zu denken und zu handeln. Die geldfreie Organisation ist für uns ein gesellschaftliches Experiment, mit dem wir Ansätze eines Systems von Teilen und Schenken schon heute leben möchten. Durch das Überwinden des Prinzips “Leistung – Gegenleistung” möchten wir neue Wege in ein wirtschaftliches und gesellschaftliches Miteinander gehen. Wir möchten vorleben, wie wir in ein solidarisches Miteinander kommen können.

Wie und wer ist auf die Idee für diesen Kongress gekommen?

Eine Bekannte und ich sind vor zwei Jahren auf die kanarischen Inseln getrampt. Auf der Reise ist dann die Idee von living utopia entstanden. Voller Energie und Motivation reisten wir sofort wieder zurück nach Deutschland, um Projekte und Aktionen mit living utopia umzusetzen. Mit der Zeit kam uns neben den ganzen Vorträgen und Workshops die Idee, einen Mitmachkongress zu organisieren.

Worum geht es in den Workshops beim utopival?

Zu den fünf Themensträngen Bildung, Wirtschaft, Ernährung, soziales Miteinander und Kreativität gibt es jeweils fünf Workshops. Wir beschäftigen uns unter anderem mit bioveganer Selbstversorgung, Postwachstumsökonomie und Open Source Ecology.

Wie wird der Kongress ausgestattet?

Da wir den Kongress geldfrei gestalten, kaufen wir keinerlei Lebensmittel ein. Stattdessen gibt es Lebensmittel, die nicht mehr verkaufsfähig, aber genießbar sind. Auch manche Unternehmen möchten die Idee unterstützen und helfen mit Lebensmitteln aus.

Wie wurden die TeilnehmerInnen ausgewählt?

Unter allen Interessierten wurden die verfügbaren 100 Plätze mit Motivtionsbögen ausgelost. Es ging uns dabei nicht um bestimmte Kriterien, sondern darum, ob die Interessierten sich das utopival so vorstellen, wie es ungefähr sein würde. Außerdem boten Fragen wie „Was bedeutet Schenken für dich?“ auch eine Möglichkeit der Selbstreflexion. Die TeilnehmerInnen kamen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum und darüber hinaus, beispielsweise aus den Niederlanden, Italien oder Kolumbien.

Was möchtet ihr mit dem utopival erreichen?

Wir möchten zeigen, dass in einer globalisierten Welt mit lokalen, konsequenten Ansätzen viel bewirkt werden kann: Globale Zusammenhänge – lokale Lösungen. Deswegen ist es uns wichtig, auf der einen Seite gesellschaftskritisch Missstände zu beleuchten, aber vor allem über utopietaugliche Alternativen für eine diskriminierungsfreie, solidarische Welt von morgen nachzudenken. Dabei ist es wichtig, die Utopie nicht als neue Gesellschaftsform zu verstehen, sondern als Wegweise- rin, als Motivation und Prozess. Die Utopie ist außerdem ein Freiraum, in dem Bedenken wie „Das kann ich mir nicht vorstellen!“ oder „Das hat noch nie funktioniert!“ keinen Platz haben. Das utopival möchte dazu einladen, sich gemeinsam Gedanken darüber zu machen.

Von Nina Blumenrath