Unterwegs auf der Spielemesse

Internationale Spiele begeistern vier Tage lang Fans, Frischlinge und Experimentierfreudige.

Brettspiele leben noch und sind unterhaltsamer denn je. Das macht die SPIEL 2015 in Essen wie auch in den Jahren zuvor deutlich. Nicht nur das Angebot wächst immer weiter, auch die Nachfrage ist beständig. Das bestätigen die vollen Gänge, besetzten Spieltische und die leergefegten Verkaufsregale. Mit Karten, Würfeln, Puppen, Fußbällen und Trophäen vergehen die vier Tage in den Hallen des Messegeländes wie im Flug. Von Brett- bis Rollenspielen ist für jeden etwas dabei und die Spielbegeisterten kommen voll auf ihre Kosten. Und egal, ob die Spiele drei Stunden oder fünf Minuten dauern – sich darauf einzulassen bedeutet in eine ganz eigene Welt einzutauchen. Hier kommen unsere Top fünf aus der Welt der internationalen Spiele:

1. Exploding Kittens

Foto: Jane Escher
Foto: Jane Escher

Exploding Kittens ist ein Kartenspiel, das über Crowdfunding finanziert wurde. Die Idee ist simpel: Man spielt einen Kartenstapel durch, in dem sich Karten mit explodierenden Katzen befinden. Wer die Karte zieht und nichts tun kann, um die Explosion aufzuhalten, ist raus. Wer am Ende übrig bleibt, gewinnt. Mit Aktionen wie Therapiestunden, besonders leckerem Essen oder Laserstrahlen können die Katzen entschärft oder weitergeschoben werden.

Dieses Spiel fällt besonders durch seine leichte Spielbarkeit und die wunderbar witzigen Zeichnungen auf. Wer gewinnen will, braucht eine gute Portion Glück und Geschick bei der Kartenwahl. Ein kurzweiliges, amüsantes Spiel auch für alle, die ansonsten nicht viel mit Kartenspielen am Hut haben.

2-5 Spieler, 15 Minuten, ab 7 Jahren.

2. Top-A-Top
Ein schnelles, knackiges Kartenspiel, bei dem man sich so richtig blamieren kann. Vom Prinzip her bleibt das Spiel traditionell einfach — trotzdem ist es vor allem in großer Runde spaßig. Karten mit verschiedenen, albernen Symbolen (ein übergewichtiger Ureinwohner, ein Kackehaufen oder eine hippe Cheerleaderin) geben die Anweisungen. Reihum wird gezogen, auf den Tisch geknallt und je nach Symbol müssen die Spieler zügig agieren: Sich an die Nase fassen und „düdeldüdü“ schreien, den Kopf nach links drehen und „Good Morning“ grüßen, die Hände übereinander schlagen oder die anderen beim „Top-A-Top“ schreien überbieten. Der mit dem schwerwiegendsten Fehler oder dem langsamsten Reaktionsvermögen bekommt die restlichen Karten zugeschoben.

Selbstverständlich geht es nicht nur um Schnelligkeit, sondern auch um Präzision und den Peinlichkeits-Faktor. Wem die Aufgaben zu ein- fach sind, der fühle sich frei die Anweisungen zu erschweren oder zu erweitern. Die Karten bieten genug Raum zur Interpretation. Es geht darum, die anderen zu toppen! Also sei lauter, schneller und alberner.

3-6 Spieler, 15 Minuten, ab 6 Jahren.

3. Prime Time

Foto: Jane Escher
Foto: Jane Escher

Wer war nicht schon vom abendlichen Fernsehprogramm gelangweilt und dachte sich: Wenn ich bestimmen könnte, was läuft, dann wäre das Medium Fernsehen aber gerettet. Bei dem Kickstarter-Spiel Prime Time, das auf der Messe seine Premiere hatte, erhält man die Chance, die perfekte Fernsehwoche auf die Beine zu stellen. Die SpielerInnen kämpfen um Zuschauer, feuern erfolglose Schauspieler und versuchen, ein paar nette Awards für die Show zu gewinnen. Das Spiel erinnert an Monopoly, hat aber weniger mit Glück und mehr mit Unternehmergeist und einem Gespür für das richtige Timing zu tun.

Das Spiel besteht aus sechs Runden, in denen die Spieler auf Fernsehshows bieten, Probezuschauer auf die Wochentage verteilen oder durch andere Tricks die eigene Woche perfektionieren. Hierbei kann es zu Duellen mit den MitspielerInnen kommen, je nachdem, wie beliebt eine Fernsehshow oder ein Schauspieler ist. Symbole und Farben auf den Karten verraten, was diese jeweils wert sind und abhängig von den auf die Wochentage verteilten Zielgruppen (Coachpo- tatoes, Jugendliche, Familien) werden die Shows dann auch platziert. Nach jeder Runde wird mit den MitspielerInnen verglichen und es werden Zuschauer und Punkte verteilt. Wenn eine Show keine Zuschauer abbekommt, wird sie aus dem Programm genommen. Nur der beste Fernsehkenner gewinnt am Ende den Award. Ein eher ruhigeres Spiel, das viel Planung und Geschick erfordert.

2-4 Spieler, 90-120 Minuten, ab 13 Jahren.

4. Drinkopoly Secrets

Foto: Jane Escher
Foto: Jane Escher

Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich bei Drinkopoly Secrets um ein Trinkspiel. Es ist eine eigenständig spielbare Erweiterung von Drinkopoly, dessen Spielbrett allerdings nicht mehr wie Monopoly aufgebaut ist. Die Spieler ziehen über einen Spielplan und landen dabei auf Aktions-, Frage-, Trink- oder Beende-den-Satz-Feldern. Wer eine Aktion nicht ausführen oder eine Frage nicht beantworten will, muss trinken. Ein Großteil der Fragen ist sexueller Natur, es kommen aber auch Fragen vor wie „Wer im Raum ist am schlechtesten gekleidet?“ oder „Wen im Raum magst du am wenigsten?“ Es empfiehlt sich, das Spiel nicht nüchtern zu starten. Aber für einen späteren Zeitpunkt am Abend ist es definitiv eine sehr lustige Alternative zu Wahrheit oder Pflicht oder den üblichen Karten-Trinkspielen. Ein Spiel für alle, die Aussagen ihrer Freunde nicht persönlich und sich auch gern mal selbst auf die Schippe nehmen.

3-6 Spieler, ca. 30 Minuten, ab 18 Jahren.

5. Poop: The Game

Foto: Jane Escher
Foto: Jane Escher

Dieses Kartenspiel hat der Erfinder eigentlich für seinen Sohn im Kindergarten entwickelt. Es eignet sich aber wunderbar als Trinkspiel: Jeder Spieler hat Poop auf der Hand, den er möglichst schnell im Klo unterbringen muss. Dafür werden Karten- reihen gelegt, jedes Klo fasst aber nur eine bestimmte Menge an Poop. Wer Pech hat, überfüllt es, und muss alle Karten auf die Hand nehmen. Außerdem gibt es Aktionskarten, welche die Spieler zu Aktionen oder Daueraufgaben führen: Bei jedem Zug ein Furzgeräusch machen, jeden Poop kommentieren und Ähnliches. Ein lustiges, leichtes Kartenspiel mit hohem Lachfaktor. Bei der Partyversion können bis zu zehn Spieler gemeinsam auf Toilette gehen.

2-5 Spieler, 15 Minuten, ab 5 Jahren.

Von Jane Escher und Alina Finke

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