Das erste Zuhause in Deutschland

Die Flüchtlingsunterkunft in Longerich ist mitten im Grünen gelegen. Foto: Stadt Köln

Ein Blick in das Flüchtlingswohnheim in Köln Longerich.

In den vergangenen Monaten sind zahlreiche Flüchtlinge nach Europa gekommen, viele von ihnen sind jetzt in Deutschland. Obwohl es in den Medien zur Zeit kaum noch ein anderes Thema als die Flüchtlingskrise zu geben scheint, ist nur wenig über die neue Lebenssituation der Menschen bekannt, die ihre Heimat verlassen haben, um endlich in Sicherheit zu leben.

Viele Flüchtlinge werden vorerst notdürftig in Sporthallen untergebracht, doch gibt es auch Wohnheime, in denen Familien eigene Wohnungen beziehen. In Köln gibt es drei solcher Wohnheime, eins davon steht in Köln Longerich. Andreas Schäfer vom Sozialdienst Katholischer Männer leitet es und hat sich die Zeit genommen, mir vom Alltag dort zu erzählen.

Die Wohnräume darf er mir nicht zeigen, doch er führt mich in den Gruppenraum neben seinem Büro. Der Raum wirkt gemütlich. Ein heller Holztisch steht in der Mitte, eine Tafel und gebastelte Schmetterlinge hängen an der Wand. In diesem Raum findet unter anderem Deutschunterricht statt, den Ehrenamtliche aus der Flüchtlingsinitiative Willkommen in Longerich (WiLO) geben. Andreas Schäfer ist der einzige Mitarbeiter im Flüchtlingsheim. Er kümmert sich um die Verwaltung und Sozialberatung, ist ein direkter Ansprechpartner für die Stadt und für die Flüchtlinge selbst.

„Farbe geben aber die Ehrenamtler“, sagt er und deutet auf die Schmetterlinge. Die HelferInnen kommen hauptsächlich direkt aus Longerich. Es sind meist Freiwillige mittleren Alters. Sie organisieren Patenschaften, die Flüchtlingen Arzt- oder Amtsbesuche vereinfachen, geben Deutschunterricht oder organisieren Freizeitangebote für Eltern und Kinder.

Ein gemeinsames Ganzes bilden

Zwischen den unterschiedlichen Nationen, Sprachen und Geschichten sei es die größte Herausforderung, „ein gemeinsames Ganzes zu finden“, erzählt Schäfer. Er sieht das jedoch als „positive Herausforderung“. Die Menschen kommen nicht nur aus verschiedenen Ländern, sondern auch aus verschiedenen sozialen Hintergründen. Von Analphabeten bis hin zu Akademikern sind alle Bildungsgrade in Longerich vertreten. Es ist schwierig, ihnen die Chance zu geben, wieder ihren alten Beruf aufzugreifen oder einen neuen zu erlernen, weil häufig Papiere und Sprachkenntnisse fehlen. Schäfer erzählt von einem Syrer, der in seiner Heimat als Apotheker gearbeitet hat und im Moment ein Praktikum in einer Apotheke macht. Noch hat er keine Arbeitserlaubnis in Deutschland, hofft aber die Ausbildung zum Apotheker hier wiederholen zu können. Andere Flüchtlinge arbeiten als GemeinschaftsarbeiterInnen im Heim. Für einen geringen Stundenlohn kümmern sie sich um den Hof und den Nutzgarten des Hauses. Dort stehen Spielgeräte wie Wippen und Schaukeln für die jüngeren Kinder zur Verfügung. Eine Tischtennisplatte für die älteren ist geplant. Im Nutzgarten haben Ehrenamtliche und Flüchtlinge Kräuter und Gemüse angepflanzt.

Sich kennen lernen

Das Verhältnis zwischen Ehrenamtlichen und Flüchtlingen sei gut, sagt Schäfer und erzählt vom gemeinsamen Grillen im Sommer, bei dem alle typische Speisen aus ihrer Heimat mitgebracht hätten. Außerdem sei die freiwillige Feuerwehr gekommen, um Wasserspiele mit den Kindern zu spielen. „Sowas haben die noch nie erlebt“, sagt Schäfer.

Das Grillen sei ein guter Weg gewesen, Vorurteile aus dem Weg zu räumen und eventuelle Befürchtungen der Bewohner Longerichs „in ein richtiges Licht zu rücken“, erzählt Schäfer stolz.

Bevor wir uns verabschieden, führt mich Schäfer noch durch den Garten des Flüchtlingsheims. Dort treffen wir auf eine Mutter mit ihrem Säugling, der hier geboren wurde. Sie lächelt uns an, als wir vorbeigehen. Es ist eine Erleichterung zu sehen, dass ihr Kind in Sicherheit aufwachsen kann.

Von Fatima Grieser

Infokasten Flüchtlinge

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