Wer niemals geht, wird auch niemals wissen

Serginho wagt den Schritt in ein neues Land und ein neues Leben. Abenteuer, Erfolge und Enttäuschungen eines Brasilianers, der sein Glück in Portugal sucht.

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Ich war in Lissabon und dachte an dich erzählt die Geschichte vom jungen Brasilianer Serginho. In seinem Heimatdorf Catagueses hat er viele Probleme. Er ist arbeitslos kann nicht für seine Frau und seinen Sohn sorgen. Außerdem ist seine Frau nervenkrank und ist zur Behandlung in einer Anstalt. Sein Sohn wurde ihm daraufhin weggenommen und wächst bei einer Pflegefamilie auf. Seine Eltern hat Serginho verloren und das Verhältnis zu seiner Schwester ist nicht sonderlich gut. Auch sie hat zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter, für die der Protagonist sich ebenfalls verantwortlich fühlt. Aus seiner Verzweiflung heraus beschließt er eines Ta- ges, nach Lissabon auszuwandern. Dort will er Arbeit finden und so viel Geld wie möglich verdienen, um seine Familie in Brasilien unterstützen zu können.

In Lissabon angekommen, findet Serginho zwar eine Unterkunft, doch auch hier gestaltet sich die Arbeitssuche sehr schwierig. Trotz Kämpferwillen ist der Brasilianer schon bald sehr niedergeschlagen, isst nicht, wäscht sich nicht und verkriecht sich in seinem Zimmer. Der hohe Druck, der auf ihm lastet, und sein immer kleiner werdendes Budget belasten den Auswanderer. Eines Tages lernt er den Brasilianer Rodolfo kennen, der ihm nach einiger Zeit zu einem Job als Kellner verhilft. Der erste Schritt in ein neues Leben ist geschafft, doch Geld räumt nicht alle Probleme im Leben aus dem Weg. Serginho fühlt sich einsam. Besuche bei Prostituierten verändern nichts an diesem Gefühl, bis er auf die besonders hübsche Dame Sheila trifft. Auch sie hat einige Probleme und gemeinsam mit ihr lernt Serginho die Stadt besser kennen. Doch schon bald trennen sich ihre Wege nach einem Streit. Serginho lebt weiter wie bisher, er arbeitet viel und versorgt seine Familie in Brasilien mit Geldüberweisungen. Eines Tages meldet sich Sheila zurück. Sie benötigt Serghinos Hilfe, verschwindet jedoch sofort wieder mitsamt seinem Pass. Ab diesem Zeitpunkt geht es für Serginho bergab, er verliert erneut seine Arbeit und ist verzweifelt.

Das Buch Ich war in Lissabon und dachte an dich zeigt eine ganz andere Perspektive auf Land und Stadt. Man durchlebt die Probleme, Ängste und Nöte eines Einwanderers mit, der vollkommen auf sich allein gestellt ist. Serginhos Geschichte wirkt sehr authentisch. Der Leser bekommt das Gefühl, dass eine Auswanderung aus Armutsgründen genauso abläuft, da seine Geschichte niemals verherrlicht oder mit kitschigen Details ausgeschmückt wird. Trotzdem ist es schwer, im Buch einen roten Faden zu finden. Der Einstieg in die Handlung ist etwas verwirrend und es ist schwer, ihr im Laufe des Buches zu folgen. Außerdem läuft die Handlung sehr schnell ab. Es passieren viele kleine Situationen, aber nichts wird wirklich lang und deutlich ausgeführt. Hinzu kommt, dass eine Menge an Persönlichkeiten und verschiedenen Namen auftauchen. Scheinbar wahllos fettgedruckte Wörter im Buch vergrößern die ohnehin vorhandene Verwirrung beim Lesen zusätzlich.

Insgesamt befasst sich der Roman mit einer interessanten Geschichte, die leider nicht besonders leserfreundlich erzählt wird. Der Leser kann sich so nur bedingt in die Personen hineinversetzen. Der Klappentext des Buches verspricht somit mehr als der Inhalt hergibt.

Von Nina Blumenrath

Luiz Ruffato: Ich war in Lissabon und dachte an dich, Assoziation A, Berlin 2015, 14,00 Euro.