Familiengefühl im Kiosk

Kiosk des Philosophikums, Foto: Vera Kleinken

Deniz*, der Besitzer des Kiosks im Philosophikum, und sein Mitarbeiter Cem sind den ganzen Tag für die Studierenden im Einsatz.

Philtrat: Wie lange arbeitet ihr schon im Kiosk?

Deniz: Ich bin 29 Jahre alt und jetzt seit 14 Jahren hier. Am Anfang war es nur ein Nebenjob. Damals war ich auf dem Gymnasium und habe nicht gejobbt. Irgendwann hat mein Vater dann die Schnauze voll gehabt und meinte: „Jetzt musst du langsam mal dein eigenes Geld verdienen.“ Seitdem bin ich hier und arbeite in einem Team von vier Leuten. An meinem 25. Geburtstag bin ich Teilhaber geworden und in diesem Sommer habe ich ihn dann komplett übernommen.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag aus?

Cem: Wir sind von morgens bis abends hier. Jeden Tag, außer am Wochenende. Um halb acht machen wir auf, aber wir sind natürlich schon eine Stunde vorher für die Vorbereitungen da. In der Zeit füllen wir den Kaffee, die Becher und Kühlschränke auf und sortieren die neuen Zeitungen ein. Um halb sieben machen wir zu und dann fängt das Saubermachen an.

Zu welchen Zeiten wird es besonders voll?

Deniz: Es gibt gewisse Pausenzeiten, die es früher so nicht gab. Jetzt hast du um halb zehn eine Pause und dann immer alle anderthalb Stunden. Der Nachteil ist, dass du dann einen Ansturm hast, bei dem dir quasi 200 Mann in den Laden stürmen. Dann kannst du nun mal nicht jeden bedienen und verlierst Kunden, weil die Leute dann sehen, dass der Laden rappelvoll ist. Der Vorteil ist aber, dass du danach wieder anderthalb Stunden Ruhe hast, um den Laden aufzuräumen und alles aufzufüllen.

Was wird am meisten gekauft?

Deniz: Getränke, am meisten koffeinhaltige Sachen wie Mate oder Kaffee. Damit die Leute wacher werden und ihren Kopf besser anstrengen können.

Was wird am wenigsten gekauft?

Deniz: Zeitschriften. Diese Klatsch- und Tratschmagazine wie „OK“ und ähnliches. Ich glaub, die Leute hier haben anderes zu lesen.

Gab es schon mal Diebstähle?

Deniz: Bestimmt, einmal hab ich jemanden erwischt. Da ging es um einen Twix. Der kostet hier 90 Cent. Was soll ich dann sagen? Ich ruf für so einen kleinen Betrag keine Bullen an. Ich hab ihm gesagt: „Ist okay. Kannst du mitnehmen. Nächstes Mal brauchst du das nur zu sagen, dann kannst du von mir aus nächste Woche zahlen.“ Das ist nichts. Ich bin keine Bank, die für einen Euro Zinsen verlangt. Das war halt unangenehm für ihn. Danach hab ich ihn auch nur noch einmal gesehen. Da ist der hier vorbeigflitzt, aber nicht mehr reingekommen.

Wie ist euer Verhältnis zu den Studierenden?

Deniz: Wie wir es mitbekommen, sind die meisten Studierenden gerne bei uns. Wir unterhalten uns über private Dinge mit ihnen. Wir sehen die jeden Tag. Wenn man jeden Tag mit jemandem unter einem Dach ist, lernt man sich auch kennen. Die werden ihren Stress bei uns los, für manche sind wir sind wie Dr. Sommer.

Was ist das Lustigste, das du im Kiosk erlebt hast?

Deniz: Es passiert jeden Tag etwas Lustiges. Wir lachen uns hier kaputt. Es gab ein Mädel, das hier reinkam und unbedingt einen Kaffee wollte, aber ihren Geldbeutel nicht dabei hatte. Wir haben ihr den Kaffee dann ausgegeben, aber das hat sie so nervös gemacht, dass sie ihn drei Mal hintereinander fast an derselben Stelle komplett verschüttet hat. Das drei Mal hintereinander zu schaffen ist schon krass.

Ist sie nochmal wiedergekommen?

Deniz: Ja, die sehe ich heute noch. Die kommt immer noch Kaffee trinken. Jetzt kennen wir uns mittlerweile auch.

Was ist das Beste an der Arbeit im Kiosk?

Deniz: Dass man viel mit Leuten zu tun hat, vor allem mit Gleichaltrigen. Ich bin Betriebswirt und hätte auch irgendwo im Büro arbeiten können, aber das wäre langweilig. Hier hast du mit Leuten zu tun, hier kannst du dich unterhalten. Wenn du Pause machen möchtest oder eine rauchen willst, gehst du zwei Minuten raus. Du bist frei. Das ist das Gute hier.

Was macht den Kiosk aus?

Deniz: Wir sind hier, glaube ich, am privatesten mit den Studierenden. Ich hör mir jeden Tag zwanzig private Geschichten von Trennungen bis Erbschaftsfällen an. Es ist hier wie eine große Familie. Das ist das Besondere an dem Kiosk.

*Namen von der Redaktion geändert

Von Fatima Grieser