Literatur zwischen Kühlschrank und Spüle

Foto: Christian Heinrichs

Bei der zwischen/miete lesen junge AutorInnen in WGs. Das Literaturhaus Köln greift damit gemeinsam mit der Eventplattform Rausgegangen ein Konzept von Freiburger Studierenden auf. Gestern Abend fand die Auftaktveranstaltung statt.

Schon am Eingang gibt es ein Kölsch, außerdem viele freundliche Blicke und schüchternen Small Talk. Die Gäste, größtenteils Studierende, stehen in kleinen Grüppchen in der Wohnung und warten gespannt auf den Anfang der Lesung. Im Hintergrund läuft elektronische Musik, es ist warm und im Backofen liegen ein paar Kräuterbaguettes. „Ich möchte jetzt ein Experiment wagen und vielleicht ist damit der Abend auch schon gelaufen“, beginnt Tilman Strasser vom Literaturhaus Köln, der die Lesung moderiert: „Könnt ihr euch alle da hinsetzen, wo ihr gerade steht?“

Um die 50 Leute haben sich in Küche und Flur zusammengefunden, um etwas aus Sascha Machts Debütroman zu hören. Seine Geschichte fügt sich in das studentenfreundliche Ambiente ein: Der Krieg im Garten des Königs der Toten handelt vom 17-Jährigen Bruno, dessen Eltern plötzlich verschwinden. Er lebt auf einer Insel, die aufgrund von Atomtests aus dem Meer gestiegen ist und nun von westlichen Ländern humanitär und finanziell unterstützt wird. Dort lebt er sein Hobby aus und vertieft sich in die Welt von schlechten Horrorfilmen, die als westliche Hilfsgüter auf die Insel gelangen. Schließlich begibt er sich auf eine Reise über die Insel, um selbst einen Horrorfilm zu drehen. Dabei trifft er skurrile Personen und erfährt einiges über seine Heimat und eine allgegenwärtige, latente Bedrohung.

Die Geschichte ist komplex, wirkt durcheinander und vereint dabei Humor mit grundsätzlichen und aktuellen Fragen. Manchmal bleibt einem das Lachen im Hals stecken, denkt man noch einmal über Machts Worte nach. Durch eine direkte, aus dem Alltag gegriffene Sprache wirken die Protagonisten nahbar und verständlich, im nächsten Moment wird die Stimmung ernst und bedrückend. Macht beschreibt seinen Roman selbst als einen Roman über das Böse. „Es gibt aber immer einen Ausweg – in diesem Fall durch die Kunst, beziehungsweise Horrorfilme“.

Nach der Lesung ist bei Bier und gemütlicher Beleuchtung Zeit genug, direkt mit dem Autor zu sprechen. „Wir wollen die Möglichkeit schaffen, sich von gleich zu gleich über Literatur auszutauschen“, so Strasser. Einige Gäste verlassen zwar recht schnell die Wohnung, andere bleiben aber noch da und unterhalten sich angeregt über die Musik hinweg. Viele wollen nächstes Jahr erneut eine zwischen/miete besuchen, dann soll die Lesereihe regelmäßig stattfinden.

Die Premiere war also ein voller Erfolg und der Abend profitierte von einer Atmosphäre des Improvisierten. Literatur eben mitten in alltäglichen, studentischen Räumen. Auch Autor Sascha Macht zieht ein positives Fazit, denn „Bier in der WG zieht einfach ein jüngeres Publikum an als ein Sektempfang im Literaturhaus“.

Von Alina Finke