#Papierkram – Abschiedsbrief eines Homo Digitalis

Papier im Papiermüll Auf Nimmerwiedersehen, Papierkram! Foto: Jane Escher

Lieber Papierkram,

wir müssen reden!

Du hast vielleicht selbst schon gemerkt: so toll passt das zwischen uns nicht mehr. Du liegst nur noch faul in der Ecke rum. Siehst du nicht, dass du schon Staub ansetzt? So richtig auf den Seiten, wo es am meisten auffällt. Peeeeeinlich!

Als das mit uns im ersten Semester begann, dachte ich mir noch, dass das – mit dir und mir – etwas Großes werden könnte. Ich schaffte mir farbige Ordner, Klebezettel, Marker und Ablagefächer an. Die Kopierkarte war die Krönung unserer Beziehung. Ich wollte aufmerksam, sorgfältig und liebevoll sein, damit wir beide uns auch noch in drei Jahren gut verstehen.

Tatsächlich war ich überzeugt, dass du mir gut tun würdest. Dich real vor mir zu haben, machte so vieles einfacher. E-Reader hin, Tablets her – etwas per Hand Geschriebenes zum Anstreichen, Knicken und Abheften schien mir typisch studentisch und am Ende des Tages konnte ich das Gefühl haben, wirklich etwas geschafft zu haben: Der Krampf in meiner Hand war der Beweis. Ich habe dir all meine Motivation gegeben, aber du gabst mir nichts.

Heute kann ich dich nicht mal mehr anschauen. Ich weiß nicht, ob es die Masse, der Staub oder einfach deine bloße Existenz ist; Du bist mir nicht nur zu anstrengend geworden, nein, du langweilst mich zu Tode. Zeigen kann ich dich schon lange nicht mehr und etwas zusammen unternehmen … tun wir eh nicht. Gemeinsamkeiten? Fehlanzeige. Du hast dein Leben und ich habe meins. Und meins (ohne dich) ist definitiv effizienter.

Ich hab gemerkt, dass die Zeit mit dir mich Zeit mit meinen Freunden kostet. So richtig stubenrein bist du auch nicht und von deiner Tendenz, nach drei Monaten unleserlich zu sein, will ich gar nicht erst reden.

Seit selbst die altmodischsten Dozenten ihre Dokumente hochladen, da es Dropbox und Facebook gibt und die Laptops immer leichter werden, wirkst du schon etwas lahm. Unsere Beziehung ist einfach nicht so bereichernd, wie ich dachte, dass sie werden könnte. Du bist Affe, ich bin Homo Digitalis: Im Tippen bin ich schneller, in Word kann ich mit mehr Farben markieren als es zu kaufen gibt und organisatorisch klappt es mit meiner Affäre, dem Tablet, auch besser. Es hat einfach immer genau das, was ich brauche, wenn ich es brauche. Unsere Beziehung dagegen tötet – und zwar Bäume.

Heißt es nicht: Wenn jemand stirbt, ist es Zeit zu gehen? Ich möchte, dass du dich digitalisiert und dann schnellstmöglich aus meiner Wohnung verziehst.

Ich mache Schluss!

Liebe Grüße Jane Escher

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