Wenn Religion auf Naturwissenschaft trifft

Mit dem Thema „Gott und die Welt – Über naturwissenschaftliche Tatsachen und religiöse Weltdeutung“ beginnt am 30.11.17 die traditionelle Vortragsreihe „Philosophiert Frei!“

Es sind bereits einige Wochen vergangen, seitdem die Vorlesungszeit des diesjährigen Wintersemesters begonnen hat. Die meisten StudentInnen sind im Uni-Alltag angekommen und versuchen ihr Bestes zu geben, um eine Balance zwischen der Lese-und Lernphase, dem Arbeitsalltag und den Weihnachtsvorbereitungen zu finden. Während der stressigsten Zeit im Jahr ist ein gemütlicher Abend mit netten Menschen und anregenden Unterhaltungen genau das Richtige, um wenigstens für eine kurze Zeit dem Alltagstrott zu entkommen. Genau so einen Abend veranstaltet am 30. November die Fachschaft der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln. Unter dem Namen „Philosophiert Frei!“ beginnt auch in diesem Semester die traditionelle Vortragsreihe von Studierenden für Studierende. Passend zur Weihnachtszeit sorgt das Thema des Abends „Gott und die Welt“ für ein spannendes Aufeinandertreffen zweier vermeintlicher Gegenpole: Religion und der Naturwissenschaft. Ein Abend zwischen anregenden Gedanken, kontroversen Diskussionen und das alles (wie es sich für richtige Philosophen gehört) bei gutem Wein.

Seit einigen Jahren veranstaltet die Fachschaft Philosophie die „Philosophiert Frei!“ – Vortragsreihen. Jedes Semester erwarten InteressentInnen etwa zwei bis drei Vorträge zu einem Thema aus der Philosophie. Die Idee, die sich hinter den Veranstaltungen verbirgt, ist einfach: Zunächst tragen zwei Studierende einen Vortrag zu einem bestimmten Thema, danach wird eine Diskussion mit dem Publikum eröffnet. Im Anschluss versammeln sich die BesucherInnen zu einer gemütlichen Diskussionsrunde bei dem traditionellen Weinumtrunk.

Religion als Teil der Wissenschaft?

Die Stimmung unter den Studierenden ist locker und bald sind auch alle Plätze im Hörsaal XI des Hauptgebäudes belegt. Während die Veranstalter die letzten Vorbereitungen treffen, machen es sich Neuankömmlinge wegen Platzmangel auch auf dem Boden und der Fensterbank gemütlich. Wer jetzt noch eben den Saal verlassen möchte, muss sein Geschick beim Hindernisparcour unter Beweis stellen. Doch die BesucherInnen lassen sich nicht von dem vollen Raum abschrecken und warten erwartungsvoll auf den Beginn der Veranstaltung. Nach einer kurzen Begrüßung des Moderators Thilo Schmidt, wird es still im Saal und der erste Vortrag kann beginnen.

Den Anfang macht der Philosophie- und Theologiestudent Klaus Schulte. Anhand seiner Argumentation versucht er zu zeigen, dass ein Gottesglaube durchaus einen gerechtfertigten Stellenwert in der Wissenschaft hat. In seiner detaillierten Rede verdeutlicht Schulte unter anderem, dass selbst wenn die Menschen alle naturwissenschaftlichen Fragen beantworten würden, die existentielle Frage nach dem Sinn/der Existenz des Lebens unbeantwortet bliebe und dieser widmet sich in erster Linie die Religion. Er erläutert zudem, dass die Religion nicht den Anspruch habe, der Naturwissenschaft zu widersprechen, sondern vielmehr die Naturwissenschaft ergänze. Diese sind einige der vielen anregenden Aspekte, auf die Klaus Schulte zu sprechen kommt und denen die ZuschauerInnen sichtlich mit Interesse zuhören. Die lockere und humorvolle Art des Studenten kombiniert mit der vielfältigen Mediennutzung, sorgt dafür, dass jeder trotz des ausführlichen Vortrags dem Argumentationsgang konzentriert folgen kann.

IMG_3374
Die Studierenden folgen aufmerksam dem Vortrag von Klaus Schulte. Foto: Klaudia Kasek

Eine ganz andere Art des Vortrags wählt der Respondent Jan Köster. Der Promotionsstudent präsentiert eine Art Essay, indem er das Thema aus einer anthropologischen Perspektive analysiert. Die naturwissenschaftliche Herangehensweise von Jan Köster, der unter anderem auch Biologie studiert hat, widerspiegelt sich in der Argumentationsstruktur, die er wählt. Jede einzelne Aussage baut aufeinander auf und bildet eine Art kausale Kette. In seinem ergänzenden Vortrag kommt er auf die Anthropologische Transzendenz zu sprechen. Damit ist die Eigenschaft des Menschen gemeint, über sich hinaus auf etwas zu verweisen, um wiederum sich selbst damit zu verwirklichen. Nach der Erkenntnis des Selbst und des Anderen, fragen sich die Menschen im Bezug auf sich selbst und die anderen: „Was soll ich tun? Wie soll ich handeln?“, so der Promotionsstudent. Die Frage nach der Handlung setze wiederum die Frage nach den Zielen des Handelnden voraus. Jan Köster taucht in die Tiefe des Themas ein und setzt sich mit der Selbstbestimmung, den Zielen der Individuen und dem Unbedingten intensiv auseinander. Dabei ist seine persönliche Motivation nicht zu wissen, was der Ursprung der Welt sei, sondern die kantische Frage „Was soll ich tun?“.

philofrei
Jan Köster während seines Vortrags. Foto: Klaudia Kasek

In der anschließenden Diskussion wird vor allem Klaus Schulte unter anderem mit folgenden Fragen konfrontiert: „Wenn wir die Philosophie haben, wozu brauchen wir Religion?“, „Ersetzt Spiritualität nicht auch Religion?“ und „Könnte es sein, dass sich die Menschen die Religion erfunden haben, weil sie einen Sinn im Leben brauchen?“. Der Theologiestudent betont dabei, dass die Religion durchaus einen neuen Zugang zu Themen und Anschauungen schaffen kann, sodass man sie viel mehr als eine Ressourcenquelle betrachten solle.

„Ein klassischer Philosophiert Frei! – Abend“ geht zu Ende

bearbeitet kerzen philo frei
Philosophieren bei Kerzenschein und Leckereien beim anschließenden Weinumtrunk. Foto: Klaudia Kasek

Nach einigen anregenden Äußerungen, wird die Unterhaltung in einen Nebenraum versetzt, wo die restlichen Fachschaftsmitglieder die Gäste beim stimmungsvollen Kerzenlicht mit leckeren Snacks und Getränken begrüßen. Jeder fühlt sich sichtlich wohl, sodass sich bald der kleine Raum mit kontaktfreudigen und gut gelaunten Studierenden füllt. Für viele ist es ein klassischer Philosophiert Frei! – Abend gewesen. Auf Nachfrage, was einen „klassischen Philosophiert-Frei!- Abend ausmacht sagt ein Student: „Alle Philosophiert-Frei!- Veranstaltungen laufen nach dem gleichen Schema ab. Zudem ist die Stimmung jedes Mal ähnlich. Man trifft auf nette Leute und sieht immer öfters bekannte Gesichter. Nicht zuletzt gibt es auch immer ein spannendes Thema, das einen auch nach dem Abend noch beschäftigt“. Neben vielen StudentInnen aus der Philosophie, finden sich auch einige BesucherInnen auf dem Bereich Theologie und Naturwissenschaft oder auch Gäste die durch Freunde eingeladen worden sind. Auf die Frage wie es ihnen als „Fachfremde“ TeilnehmerInnen gefallen hat, antworten viele, es sei ein gelungener Abend und sie können einige neue anregende Perspektiven mitnehmen. „Die Vorträge regen mich zum Nachdenken an“ sagen einige. „Cooler als die Vorträge fand ich aber die Diskussionsrunde am Ende“, so ein Physik-Student. Ein anderer Studierender bemängelt jedoch, dass die Naturwissenschaftliche Position zu Kurz gekommen sei, was er schade fände. Am Ende des Abends sind sich jedoch bei einer Sache alle einig: Die Fachschaft Philosophie hat den Besuchern einen tollen Abend beschert und mal wieder gezeigt, wie interessant und gemütlich ein Austausch zwischen Studierenden auch nach den Vorlesungen stattfinden kann.

Von Klaudia Kasek


Der nächste Philosophiert-Frei!- Abend findet am 26.01.2018 im Hörsaalgebäude, Hörsaal G

Advertisements