Das Ende des Studiums – und was nun?

Zwischen Ungewissheit und Findungsphase.

Es fühlt sich ein wenig so an wie nach dem Abitur: Dieses Gefühl, nicht zu wissen, was als nächstes kommt. Doch es ist ein Unterschied zu damals.

Die Schule wurde nach zwölf oder dreizehn Jahren beendet, das Studium ebenfalls abgeschlossen. Doch was kommt als Nächstes? Bisher geplante Stationen sind abgelau­fen. Der Weg in die Arbeitswelt muss aber erst noch gefunden werden. Doch wie? Unsere Generation, die verheißungsvoll die Generation Z genannt wird, steht in den Start­löchern. Jedoch existieren heutzutage unzählige Möglichkeiten, die den Übergang nach dem Studium in die Berufswelt verkomplizieren. Festanstellung, Hospitanz, Trainee oder freie Mitarbeit – es scheint ins Unermessliche zu gehen.

Die Findungsphase

Nach der Schule war das Studium schon einmal geplant und sollte sich der Studiengang nicht als der richtige erweisen, stand einem Fachwechsel im Normalfall nicht viel im Weg. Wir hören es immer wieder: „Ach, du bist doch noch jung und hast alle Zeit der Welt!“.

Doch wenn der Zeitpunkt gekom­men und das Studium abgeschlossen ist, sollte die Zeit der Zweifel und des Ausprobierens vorbei sein – oder? AbsolventInnen sollten bemüht sein, einen Job zu finden, der die ersten Schritte der Karriere bildet. Und als sei diese Anforderung nicht belastend genug, wird heutzutage das Gefühl oder gar die Verpflichtung vermittelt, immer on­line und erreichbar sein zu müssen. Im Grunde immer up-to-date zu bleiben und alles mit offenen Ohren und Augen aufzusaugen. Über Smartphones, soziale Netzwerke und das Internet ist die Welt inzwischen komplett vernetzt. Junge Berufseinsteiger können dies als Druck und Angst verspüren, etwas zu verpassen und nicht dazuzugehören, erst gar nicht die Möglichkeit zu erhalten, sich an den richtigen Stellen zu beweisen. Ohne Vitamin B und extremes Engagement scheint es, als sei ein guter Job nur schwer zu bekommen. Also schnell auf den letzten Metern noch ein Praktikum machen, den Lebenslauf überarbeiten und möglichst alles aus dem Bewerbungsanschreiben holen, um zumindest die Chance auf ein Vorstellungsgespräch zu ergattern, ob wohl man den Voraussetzungen des Stellenangebotes kaum entspricht?

Wichtig ist hier: Bewerber sollten die Stellenausschreibungen als Maximalvoraussetzungen sehen. Der Chef hätte gerne den von ihm ausgeschriebenen, idealen Bewerber. Es ist ihm aber bewusst, dass er diesen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht finden wird und Abstriche machen muss. Berufseinsteiger sollten dem Chef daher nicht die Entscheidung abnehmen und sich selbst selektieren, indem sie es erst gar nicht versuchen. Schließlich hat niemand etwas zu verlieren und bekommt womöglich durch ein souveränes Auftreten beim Bewerbungsgespräch doch den unverhofften Traumjob. Denn charakterliche Eigenschaften, wie Kommunikationsfähigkeit, Offenheit und Sympathie sind mindestens genauso wichtig wie qualifizierte Fähigkeiten, die zur Not im Nachhinein noch erlernt werden können.

Die Bewährungsphase

Wenn dann ein Job in Aussicht ist, kommt hinzu, was viele fürchten: Die Austauschbarkeit und die Unsicherheit am Arbeitsplatz. Häufig beginnt der Berufseinstieg im Unternehmen mit einer Bewährungsphase, beispielsweise als Trainee oder im Rahmen eines Praktikums mit Aussicht auf Festanstellung. Alles wirkt überwältigend und schnelllebig. Da stellt sich vor allem eine Frage: Wie können sich Berufseinsteiger beweisen, herausstechen und zu jemandem werden, der nicht so schnell austauschbar ist? Sicherheit im Job wird für viele Neueinsteiger immer wichtiger, genauso Struktur und Planbarkeit. Gleichzeitig scheint der Gedanke gängiger zu sein, nicht mehr das gesamte Berufsleben in ein und demselben Unternehmen zu verbringen. Unsere Generation scheint von Schnelllebigkeit geprägt zu sein und sich lediglich mit Zeitabschnitten und Zeitverträge zu beschäftigen, als das große Ganze zu betrachten. Und dennoch sollen diese Zeitabschnitte sicher und vorausschaubar sein. Wichtig ist, sich in der Anfangszeit zu beweisen, um die Wahrscheinlichkeit einer Festanstel­lung zu erhöhen. Jedoch ist nicht zu verachten, sich dabei selbst treu zu bleiben und sein Bestes zu geben. Denn Individualität zahlt sich am Ende aus, um „unaustauschbar“ zu werden. Auch Arbeitgeber wissen, dass Absolventen am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn stehen und nicht alle Aufgaben auf Anhieb wie ein Profi meistern. Mit ausreichend Engagement und Aufgeschlossenheit lassen sich viele Pluspunkte sammeln.

Nicht entmutigen lassen

Es erscheint zunächst schwer, sich als Neuling zu beweisen. Dennoch sollte für jeden an erster Stelle stehen, seinen Weg so zu gehen, wie man ihn am Besten mit sich selbst vereinbaren kann. Auch Berufseinsteiger können für Arbeitgeber sehr wertvoll sein, da sie als ungeschliffene Rohdiamanten einige Qualitäten mitbringen. Außerdem bietet uns die Zeit nach dem Studium natürlich auch positive Aspekte: Endlich haben wir die Möglichkeit, uns frei in den nächsten Lebensabschnitt zu stürzen, neue Perspektiven kennenzulernen und den eigenen Weg zu finden. Berufseinsteiger und Absolventen sollten sich also nicht verunsichern lassen, sondern mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Denn die Zeit des Ausprobierens ist nie vorbei. Sie zieht sich durch das gesamte Leben. Fehlentscheidungen und Sackgassen wird es immer wieder geben, sie formen unseren Werdegang. Schließlich ist es doch immer irgendwie alles „jood jejange“, oder?

Von Katharina Faßbender

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