Von Kölner Straßen bis nach Kenia

Weitblick auf dem Hum-Festival Die beiden Weitblickerinnen Claudia Albrecht und Leonie Schieden werben auf dem Hum-Festival tatkräftig für ihre Organisation. Foto: Mona Schubert.

Was verbirgt sich hinter der Kölner Studierendeninitiative Weitblick e.V.

Auf die Frage „Was ist Weitblick?“ wissen die wenigsten Studierenden eine Antwort. „Weitblick? Kenne ich nicht“, hören wir oft. „So lang gibt es die aber noch nicht, oder?“ fra­gen viele Kommilitonen verwundert nach. Auch wenn einige mit einem Lächeln im Gesicht berichten, dass sie das ein oder andere Projekt kennen, was sich genau hinter Weitblick verbirgt, ist den meisten unbekannt.

Weitblick feiert in diesem Jahr seinen achten Geburtstag. Seit 2008 setzen sich Studierende für Bildungschancen weltweit ein und so klein, wie die Organisation zunächst auf Neulinge wirken mag, ist sie bei weitem nicht. Weitblick wurde von 41 Mitgliedern in Münster gegrün­det. Die Idee: Bildung sollte kein Privileg Einzelner sein. Alle Kinder und Jugendliche sollten eine Chance auf Bildung und damit eine gute Berufsperspektive haben. Authentischer könnte das Ziel der Studierenden nicht sein. Mit dem Motto „Bildungschancen weltweit“ ist die Organisation gewachsen und besteht mittlerweile aus über 965 Mitgliedern (Stand 2015).

Zu den 16 weiteren Städten, die nach Münster folgten, zählt auch Köln. Offiziell engagieren sich 120 Mitglieder, davon allerdings regelmäßig aktiv circa 30. Die Organisation ist offen und frei für Vorschläge jedes Einzelnen – besonders span­nend wird das, wenn zahlreiche Fachrichtungen zusammenkommen: Jura-und Wirtschaftsbegabte beispielsweise kümmern sich ebenso seriös um die Finanzen und rechtliche Fragen wie Kulturinteressierte um kreative Spendensammlungen. Und so individuell wie die Weitblickmitglieder sind, so vielfältig sind auch deren Ideen.

Die kleinen und großen Projekte

Zudem fällt auf, dass viele Studierende auf die Frage, welche Projekte eine Studierendenorganisation verfolgen kann, eher lokale Projekte nennen. Straßenprojekte mit Jugendlichen oder Nachhilfekurse für sozial benachteiligte Kinder gehören dazu. Umso überraschter sind sie, wenn sie erfahren, welche Projekte Weitblick sowohl im In- als auch im Ausland verfolgt. Egal ob in Kenia, Malawi, Benin oder Kambodscha, Weitblick ist vor Ort, um dabei zu helfen, Schulen zu bauen und den Kindern und Jugendlichen zu einem Schulabschluss zu verhelfen. Dabei geht es nicht nur um Spenden. In einem Austauschprogramm ist es WeitblickerInnen möglich, vor Ort mit „anzupacken“ und einen Blick über den eigenen Tellerrand zu wagen.

Uni baut Uni in Benin
Beim Austauschprogramm „Uni baut Uni in Benin“ haben WeitblickerInnen stets alle Hände voll zu tun. Foto: Nadja Markowski.

Doch die Studierenden müssen nicht erst den Kontinent wechseln, um den eigenen Horizont zu erweitern. In Köln gibt es genügend vielseitige Projekte, bei denen Studierende mitmachen können. Eines davon ist „Geschichten mit Weitblick“. In diesem Projekt treffen sich WeitblickerInnen mit SchülerInnen einer vierten Klasse der Grüneberg-Grundschule in Köln Kalk zu einem Schreibworkshop und entwickeln gemeinsam ein Buch, in dem Schüler über Erlebnisse aus ihrem Schulalltag schreiben. Ein anderes Projekt läuft unter dem Namen „Freundeskreis“. Ein Mal pro Woche treffen sich WeitblickerInnen mit Geflüchteten und verbringen zusammen einen Abend, indem sie beim Spielen, Reden oder während eines Ausflugs die deutsche Sprache zusammen üben und Bekanntschaften knüpfen. Ebenso interessant ist das Projekt „AnFangAn“, welches für alle offen steht, die Deutsch erlernen wollen und es sich nicht leisten können, an einem kostenpflichtigen Sprachkurs teilzunehmen. Das neue Projekt „Die Sprache der Bilder. Flucht in Kunst und Medien“ begann mit der gleichnamigen Vortragsreihe. Der gesamte Erlös floss in das neue Projekt, welches daraufhin kreative Kurse wie Malerei, Akrobatik oder Graffiti für Geflüchtete und Kölner Studierende erfolgreich anbot. Mona Schubert, eine der zwei Gestalterinnen des Projekts, weist auf folgendes hin: „Es geht bei dem Projekt nicht darum, dass Geflüchtete ihre Erlebnisse verar­beiten sollen, denn das können wir nicht leisten. Vielmehr geht es um den menschlichen Austausch, der auch ohne Sprache funktionieren kann.“

Neben caritativen Projekten wie diesen, gibt es auch verschiedene Bildungsaktionen. Seit 2013 bietet das Projekt „KulTour“ Ausflüge an, um gemeinsam mit einer Gruppe interessante Orte zu besuchen. Dazu gehörten in der Vergangenheit unter anderem die Führung in einer Moschee, zahlreiche Museumsbesuche oder Brauhaustouren. Um auf Weitblick aufmerksam zu machen, veranstalten Mitglieder regelmäßig Aktionen wie Glühwein- oder Waffelverkauf zu Weihnachten an dem Weitblick-Glühweinstand. Eine Besonderheit ist dabei, dass die In-und Auslandsprojekte der Städte unabhängig voneinander sind, sodass praktisch alles ohne weitere Absprache mit einem übergeordneten Vorstand realisierbar ist. Dabei sind die Projekte nicht exklusiv, sodass jeder bei jedem Projekt, ganz gleich aus welcher Stadt, mitma­chen kann.

Futter für die Seele

Beim Zusammentreffen mit Weitblickerin Mona Schubert, die sich seit zwei Jahren in der Organisati­on engagiert, erzählt sie fasziniert von der Vielfalt und von dem, was man alles praktisch in kürzester Zeit erreichen kann. Wie sie selbst berichtet, ist Weitblick für sie eine persönliche Bereicherung. Nicht nur, weil es eine große Bandbreite an verschiedenen Projekten gibt, sondern auch, weil sich die Mitglieder persönlich ein Projekt aussuchen können, welches sie individuell weiterbildet.

Doch das Beste an Weitblick beschreibt Mona Schubert folgendermaßen: „Es ist leicht sich über gesellschaftliche Missstände zu beschweren, doch die meisten belassen es dabei und ändern nichts. Dabei ist es so einfach, etwas dagegen zu tun. Organisationen wie Weitblick bieten einem viele Möglichkeiten, Dinge selbst in die Hand zu nehmen und gemeinsam mit einer sehr motivierten Gruppe um­zusetzen.“

Von Klaudia Kasek

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