„Was mach’ ich denn jetzt damit?

Beratungsgespräch Jana Bäuerlen und ihr Team beraten bei der Berufsorientierung auch individuell. Foto: Timo Lohmann.

Studierende auf dem beschwerlichen Weg der Berufsorientierung

Wer kennt es nicht? Nur einige Se­mester nachdem das Studium voller Elan und Zuversicht begann, beschleicht viele Studierende das Gefühl, dass sie vielleicht doch nicht die richtige Wahl getroffen haben. Und welche Arbeitgeber brauchen überhaupt GeisteswissenschaftlerInnen? Vor allem Studierende der Philosophischen Fakultät finden sich oft unter dem unablässigen Hagel der Fragen von Eltern und Freunden („Und? Was wirst Du denn nun nach dem Studium?“) in einem See der Ratlosigkeit. Der erste Schritt in den beschwerlichen Weg der Berufsorientierung ist es aber, sich aufzuraffen und sich mit eben diesem Thema zu beschäftigen. Dies haben wir getan und uns mit der Leiterin des Career Service HF (Humanwissenschaftliche Fakultät), Jana Bäuerlen, zusammengesetzt.

 Plötzlich doch nicht mehr so sicher

Woran aber liegt es, dass viele Studierende im Laufe oder sogar am Ende ihres Studiums plötzlich nicht mehr wissen, was sie beruflich machen sollen? „Hierfür kann es viele unterschiedliche Gründe geben“, erläutert Frau Bäuerlen. „Der Übergang vom Studium ins Arbeitsleben ist stets eine herausfordernde Lebensphase und Entwicklungsaufgabe, denn Unsicherheiten und Unplanbarkeiten sind charakteristisch für solche Übergänge”. Aber auch der Einfluss der Eltern und des Freundeskreises zu Schulzeiten können eine große Rolle spielen. Oft merken Studierende erst im Laufe des Studiums, welche Interessen und Werte wirklich die Eigenen sind und welche die der Mutter oder des besten Freundes. „Es kann aber auch passieren, dass sich unabhängig davon eigene Interessen während des Studiums verändern. Manche Studierende lernen vielleicht Neues kennen, bei dem sie denken, ‘das passt ja viel besser zu mir‘ und stellen somit ihre Studienwahl in Frage“, so Frau Bäuerlen.

Erster Stopp: Das Praktikum

Es kann also vielfältige Gründe geben, warum das eigene Studium plötzlich doch nicht mehr das Wahre ist oder warum Studierende nicht wissen, welcher Beruf zu ihnen passt. „Es ist immer wichtig, sich bewusst zu machen, dass das Studium allein meist nicht das einzig Entscheidende für eine berufliche Richtung ist, sondern beispielsweise auch praktische Erfahrungen und Weiterbildungen von hoher Relevanz sind, um in eine bestimmte berufliche Richtung zu gehen“, erklärt Frau Bäuerlen. Erfahrungen sammeln und Kompetenzen ent­wickeln sollte also auch im Fokus stehen. Besonders hilfreich hierfür sind Praktika oder ehrenamtliche Tätigkeiten. Auch durch Mini-Jobs können Studierende bereits erste Einblicke in die Bereiche erhalten, die für sie interessant sein könnten.

Ein Selbstfindungsprozess

Wichtig bei der Berufsorientierung ist es zudem, den Blick auf sich selbst zu richten. Frau Bäuerlen macht deutlich: „Herauszufinden, welcher Beruf zu einem passt, bedeutet vor allem auch, sich mit sich selbst intensiv auseinanderzusetzen. Dies ist ein aktiver und eigenverantwortlicher Prozess, der nicht immer nur ‚einfach’ und ‚leicht’ erscheint. Aber es ist ein sehr spannender Prozess, der viele Belohnungen am Ende verspricht: Nämlich die Sicherheit, sein eigenes Leben aktiv in die Hand zu nehmen und zu gestalten“. Sie rät zudem, sich für die Berufsorientierung viel Zeit zu nehmen und auch das offene Gespräch mit Familie, FreundIn­nen, KollegInnen, Dozierenden und MentorInnen zu suchen.

An der Universität zu Köln bieten auch die Career Services und das Professional Center verschiedene Reflexionsangebote, wie Seminare, Workshops, oder Kompetenztrainings an. Studierende werden dort bei der Berufsorientierung und vor allem in der Beschäftigung mit sich selbst unterstützt. Der Fokus liegt dabei nicht auf den Referenzen, die noch eingeholt werden müssen, sondern eher auf den Fähigkeiten und Kompetenzen, die bereits vorhanden sind. Ein wichtiger Schritt ist es, dabei herauszustellen, welche Interessen, Werte und Talente im eigenen Leben schon eine Rolle spielen. Ein bewusster Umgang mit der eigenen Person führt oft dazu, dass ein Verständnis darüber ent­steht, in welchen Berufsbereichen Interessen und Affinitäten effektiv genutzt werden können. Denn häufig geht es gar nicht darum, dass am Ende herauskommt, dass LehrerIn, PressesprecherIn oder JournalistIn der richtige Beruf ist, sondern um das passende berufliche Umfeld und die jeweiligen Arbeitsbereiche.

Mut zum Ausprobieren

Berufsorientierung ist eine intensive Angelegenheit. Viele Studierende fühlen sich überfordert mit der großen Auswahl an Möglichkeiten, die sich ihnen eröffnet und wagen es nicht, den ersten Schritt zu gehen. Wer dann aber stehen bleibt und sich nicht traut, auch mal etwas auszuprobieren, wird nur schwer erfahren, was der falsche oder der richtige Weg ist. Auch Frau Bäuerlen ist der Meinung: „Wer immer versucht, alle Türen offen zu halten, richtet sich bald darauf ein, im Flur zu kampieren“. Genügend Mut, auch mal durch die falsche Tür zu gehen und Fehler zu machen, ist also ein wich­tiger Schritt, denn nur so kann sich der richtige Beruf offenbaren.

Von Michelle Harrison


In der Vortragreihe „Berufsstrategien für Frauen“ erhalten Studierende von professionellen Referentinnen jeden Donnerstag um 16:00 (Hörsaal H123 im HumF-Hauptgebäude) einen Einblick in die Berufswelt, aber auch Tipps zur Bewerbung und Berufsfindung. Der Kurs ist für alle Studierende jeden Geschlechtes offen. Auch Gasthörende sind zu den einzelnen Vorträgen herzlich eingeladen.

https://verwaltung.uni-koeln.de/abteilung43/content/karriereentwicklung/female_career_center/berufsstrategien_fuer_frauen/index_ger.html


Advertisements