Von Albertus Töchtern zu Geschäftsfrauen

Prof. Dr. Ute Planert präsentierte einen der ersten Studierendenausweise der Universität zu Köln. Foto: Klaudia Kasek.

Zum 100-jährigen Jubiläum des Frauenstudiums an der Universität zu Köln nahmen Expertinnen den Wandel der (Studentinnen-)Zeit unter die Lupe.

Um die richtige Frauenquote musste sich bei dieser Veranstaltung niemand Sorgen machen. Deutlich in der Mehrheit, füllten zahlreiche Studentinnen, Expertinnen und andere Interessierte die große Aula des Hauptgebäudes. Keine große Überraschung, denn es ging um sie: Frauen. Genauer gesagt, um Frauen an der Universität zu Köln. Im Rahmen des 100-jährigen Jubiläumsjahres der Wiedereröffnung der Kölner Universität sollten auch sie gefeiert werden, fand Annelene Gäckle. Und so stellte die Dipl.-Soz. Pädagogin gemeinsam mit ihrem Team der Gleichstellungsbeauftragten die Feier zum 100-jährigen Frauenstudium auf die Beine. Vom Blick auf den ersten Studentinnenausweis bis hin zu praktischen Tipps in der heutigen Arbeitswelt, zeigten Expertinnen dabei den einst steinigen Weg junger Frauen im Studium, thematisierten aber auch Chancen und (Un-)Gleichheiten, die den heutigen Alltag von Absolventinnen ausmachen.

„Es war die größte Gender-Veranstaltung, die in meiner Amtszeit als Gleichstellungsbeauftragte an der Universität zu Köln bislang stattgefunden hat“, sagte Gäckle rückblickend auf den Abend. So überraschte auch das Interesse der zahlreich erschienen Gäste nicht. Über 200 Personen waren im Laufe des Abends anwesend – darunter Studierende, Wissenschaftlerinnen, Genderforschende und Vertretende der Hochschulleitung. Sie alle kamen, um zurückzublicken, die letzten 100 Jahre passieren zu lassen und zu erfahren: Was hat sich für Studentinnen seit 1919 verändert und wie sieht es heutzutage in puncto Gleichberechtigung aus? Antworten sollten vor allem sie liefern: Geschichtswissenschaftlerin Prof. Dr. Ute Planert, Geschäftsführerin Insa Klasing und Kabarettistin Sarah Hakenberg. Es sind „erfolgreiche studierte Frauen“, die auf unterschiedlichen Gebieten nach dem Studium ein breites Portfolio auf ihren Wegen aufmachten, und deshalb als Expertinnen eingeladen wurden, betonte Gäckle.

Den Anfang machte Prof. Dr. Manuela Günter. Nach einem ausgiebigen Begrüßungs-Applaus leitete sie in ihre thematischen Einleitung zum Thema und übergab das Wort Professorin für neuere Geschichte, Dr. Ute Planert. In ihrem geschichtlichen Rückblick „Albertus Töchter: Die Anfänge des Frauenstudiums an der Universität zu Köln“, thematisierte sie unter anderem die alltäglichen Schwierigkeiten der damaligen Studentinnen: „Frauen wohnten noch häufiger bei ihren Eltern und mussten im Haushalt helfen. Verbindungshäuser waren für sie verschlossen, nicht einmal die Mensa durften sie benutzen“. Interessiert folgten die Anwesenden den einzelnen Ereignissen, auf die Planert zu sprechen kam und entgegneten hier und da ein Seufzen, als die Wissenschaftlerin Beispiele für damalige Ungleichheiten vorbrachte. Trotzdem promovierten etwa 400 Frauen an der Universität zu Köln bis zum Ende der Weimarer Republik. Besonders gut kamen bei den ZuschauerInnen die mitgebrachten Archivbilder, die Planerts Vortrag unterstützten – darunter der erste Studentinnenausweis von Jenny Gusyk, der ersten Studentin der Kölner Universität.

Zurück zur heutigen Zeit kehrte Insa Klasing mit dem dritten Vortrag des Abends. „Heutzutage ist es normal für uns zu studieren. Es ist aber nicht selbstverständlich, was wir mit unserem Studium machen“, begann sie ihre Rede. Ihr Erfolgsgeheimnis? „Mein Bauchgefühl“, verrät sie. Das war es, was Insa Klasing zur weltweit ersten weiblichen Geschäftsführerin eines Großunternehmens führte, sagte sie während ihres Vortrags. Das Studium an der Eliteuniversität in Oxford, ihr Ehrgeiz und Berufserfahrungen haben sie sicherlich zu ihrer hohen Position qualifiziert, doch nichts von dem hätte Klasing zum Erfolg geführt, wäre da nicht ihre innere Stimme: „Meine Eltern haben mir von einem Studium an Oxford abgeraten“, erinnerte sie sich während ihres Vortrags. „Sie meinten, ich würde an der Eliteuniversität zum Bücherwurm werden, doch tief in mir drin wusste ich, dass ich es machen muss“, sagte sie lächelnd. Dazu animierte Sie auch die Anwesenden: „Seid mutig und geht euren Weg“. Offen erzählte sie Geschichten aus ihrem Berufsleben und beantwortete im Anschluss an den Vortrag Fragen zu der Frauenquote ihres Unternehmens und der Lifebalace im Berufsalltag, was mit kräftigen Applaus belohnt wurde. Danach sorgte Sarah Hakenberg mit ihrer Kabarettvorführung für einen humorvollen Ausklang der Vortragsrunde. Beim anschließenden Zusammentreffen ließen die Gäste und Veranstalter den Abend Revue-passieren. So auch Gäckle: „Das Programm war vielfältig und hat zu Diskussionen aus den verschiedenen Perspektiven angeregt – und hoffentlich jungen Frauen Mut gegeben, ihren ganz eigenen Weg zu gehen, wohin auch immer dieser führen mag“.

 

Von Klaudia Kasek

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