Kunst bringt Menschen zusammen

Jérôme Lenzen bei der Ausstellung semicologne vom Verein ArtAsyl. Foto: Sebastian Miller

Instrumente und Pinsel vereinen Menschen

Sommer 2015: Viele Flüchtlinge aus Konfliktregionen, vor allem aus
Syrien, kamen nach Deutschland. Zugleich erlebte PEGIDA seine Hochzeit und Menschen demonstrierten gegen die Geflüchteten. Deutschland wirkte gespalten wie nie zuvor. Einige KölnerInnen wollten ganz pragmatisch ihren Beitrag zur Integration der vielen Neuankömmlinge leisten. Bei einigen Kaffeerunden in der Unibibliothek entwickelten Jérôme Lenzen, Doktorand an der Universität zu Köln, und seine Freunde ihre Idee und gründeten schließlich einen Verein: ArtAsyl e. V.

Das Motto: Kunst verbindet Kulturen

Der Gedanke hinter ArtAsyl e.V. ist simpel: Kunst soll als Medium zur Kommunikation dienen, wo anfangs noch Sprachprobleme die Kommunikation zwischen Geflüchteten und Deutschen erschweren. „Zwar waren wir alle selber keine Künstler, aber kunstinteressiert. Über unsere eigenen Kontakte konnten wir die ersten Projektleiter gewinnen, auch wenn das der Gitarre spielende Nachbar war“, berichtet Jérôme von der Anfangszeit. Dann ging es in die Flüchtlingsheime.


Eines der ersten Projekte des Vereins, das auch heute noch läuft, ist der „Kofferraum voller Instrumente“. Einmal in der Woche bringen die Vereinsmitglieder immer ein anderes Musikinstrument in die Flüchtlingsheime. Die Kinder haben dann die Möglichkeit die verschiedenen Instrumente auszuprobieren und ihr Interesse an der Musik zu entdecken. Wenn sie möchten, bekommen sie ihr eigenes Instrument und Unterricht angeboten. Spielerisch können die Kinder so ihre Talente entdecken und sammeln erste Erfolgserlebnisse – völlig unabhängig von ihren Deutschkenntnissen. Die Hauptzielgruppe der Projekte sind Kinder und junge Erwachsene. Um Teenager und junge Erwachsene zu erreichen, werden Kurse in Street-
art und Graffiti angeboten.

Ebenso bietet ArtAsyl e.V. mit einigen Kooperationspartnern zusammen Kunstvermittlung an. In kleinen Gruppen können Flüchtlinge sich bei Museumsbesuchen über Kunst austauschen. Ein freundschaftliches Freizeitevent, das vom doch manchmal tristen Alltag ablenkt. Neben der Ablenkung sind aber auch kunsttherapeutische Kurse mit professionell ausgebildeten LeiterInnen im Programm. Ebenso bietet der Verein eine Anlaufstelle für professionelle KünstlerInnen, die geflohen sind. Bei einem Tandemprogramm können sie sich mit einem Kölner „ArtBuddy“ über Kunst austauschen und gemeinsame Aktionen veranstalten.

Über 40 Projekte in zwei Jahren

Die Entwicklung seit der Gründung ist beeindruckend. Aus einer Idee im Freundeskreis ist ein weit vernetzter Verein geworden. Mittlerweile ist ArtAsyl e.V. in allen Stadtbezirken aktiv. Unterstützung kommt nicht nur von den über 100 Mitgliedern, sondern auch von Privat- und Sachspenden. Bei der Spendengewinnung sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt: Ob klassische PR-Arbeit oder eine Solidaritätsparty
– alles ist dabei. Die ausgebauten Strukturen machen es für Interessierte leicht sich einzubringen. Einmal im Monat heißt es „Meet ArtAsyl“, wo jeder seine Ideen vorstellen kann.

Nach der Ausarbeitung eines Projektplans und dem Bewerben des Projekts in den Flüchtlingsunterkünften, kann es losgehen. „Wir organisieren den Kontakt zu den Flüchtlingen, Material, einen Raum, eben alles drum herum. So kann sich der ehrenamtliche Künstler auf seine künstlerische Arbeit konzentrieren“, erklärt Jérôme. Der Verein versteht sich als eine Plattform, die hilft Ideen umzusetzen. Wer nicht künstlerisch begabt ist, kann sich bei der Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit einbringen.

Jubiläumsfeier mit eigener Ausstellung

Das zweijährige Jubiläum wurde im September 2017 mit der Ausstellung „SemiCologne“ gefeiert. Zusammen stellten Flüchtlinge und Kölner KünstlerInnen ihre Werke aus. Begleitet wurde die Ausstellung von einem Rahmenprogramm mit Vorlesungen, Workshops und Musikvorführungen. Sie war ein voller Erfolg, so konnten nicht nur die KünstlerInnen einige Werke verkaufen, auch kamen mehr BesucherInnen als anfangs erwartet. „Wir wollen an den Erfolg anknüpfen und planen für 2018 wieder eine Ausstellung“, sagt Jérôme.

Das oberste Ziel für dieses Jahr ist aber endlich Räumlichkeiten zu finden, um einen festen Ort für Projekte zu haben und ein Materiallager einrichten zu können. Zusätzlich wird ArtAsyl e.V. nun auch anfangen, in Kölner Problembezirke zu gehen und dort mit Kindern, die unter schwierigen Bedingungen leben, zu arbeiten.

Manchmal sind es aber auch die kleinen Dinge, die besonders in Erinnerung bleiben. Jérôme erinnert sich gerne an seine Zeit beim „Kofferraum voller Instrumente“ zurück. Als sie den Kindern einmal eine Trompete mitbrachten, probierten sich alle Kinder daran aus. Die zwölf- und 13-jährigen Jungen versuchten mit aller Kraft einen Ton aus dem Instrument zu bekommen, was keinem gelang. Erst das kleinste Mädchen in der Runde gelang es auf der Trompete zu spielen. „Ein toller Moment für mich“, erzählt Jérôme.

Von Anja Holtschneider

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